Seitenanfang
Christian Weiss

Bestätigung des Erfahrungswissens
Dank bildgebender Verfahren in der Hirnforschung sind viele Erkenntnisse entstanden, die erklären, warum was wann wo und wie so abläuft, wie es früher schon beobachtet wurde.

Im Folgenden wird die Rolle des Gehirns beleuchtet im Seins-, Tuns- und Beziehungs-Geschehen, der Sinnhaftigkeit und Ausrichtung des Lebens.

Die Informationen sollen einen Zugang zu geerdeter Spiritualität ermöglichen: einer selbstbestimmten Lebens-Führung, die Kraft frei macht für Freude und Genuss am eigenen Lebendigsein und an den Möglichkeiten des Wachstums.


Kognitiv, emotional, objektiv, subjektiv
Beobachtungen im Gehirn bestätigen, dass es objektive Wahrnehmungen nicht gibt; denn bevor wir etwas bewusstim Denkhirn (Cortex) wahrnehmen, ist die Information über einen unserer subjektiven Sinne durch die Mitte des Gehirns gelangt – jenen Ort, der für Gefühlsregelung zuständig ist (limbisches System). Dies bedeutet, dass unsere gefühlsmässige Bewertung immer mit-eingeschaltet.

Das limbische oder Gefühls-Hirn ist in unseren ersten 2 Lebensjahren fast ausschliesslich zuständig für die Erfassung und Bewertung der Lebensvorgänge, denn dann herrscht mehrheitlich das Gefühl der Verbundenheit mit allem. Erst danach werden die kognitiven, das heisst zerlegenden, unterscheidenden Fähigkeiten entwickelt – wir werden langsam zur eigenen Persönlichkeit.


Gefühle, Speicherung, Auslösung
Gefühle können werden immer im Moment erlebt. Wenn sie entstehen, heisst dies nicht unbedingt, dass sie die Gegenwart abbilden. Wo sie auftauchen, können sie längst Vergangenes, also Abgespeichertes in die Gegenwart bringen, so dass es zwar als gegenwärtig erlebt wird, aber die Vergangenheit abbildet. So braucht es Unterscheidungsfähigkeit, welche Regung dem Moment entspricht und welche auf frühere Erfahrungen zurückgeht.

Weil die Gefühle strukturierend-kategorisierend wirken im Gedächtnis, bilden alle Ereignisse mit demselben Gefühls-Klima eine stark verbundene Gruppe. Wenn ein «Gruppenmitglied» aufgerufen wird, sind die andern nicht fern.

Ausgelöst werden Gefühle durch Sinnesreize. Genaueres darüber ist im Abschnitt «Emotionale Überflutung, mentale Verwirrung und Lernen» zu finden.


Gefühle, zeitlos, ortsunabhängig
Gefühle sind zeitlos und ortsunabhängig, wie die limbische Forschung zeigt: Das limbische Hirn «unterscheidet» nicht zwischen Ich und Du. Wenn wir limbisch «denken», sind wir verbunden mit allem. Wir sind in einem spirituellen Zustand, der aber nicht bewusst erlebt wird, aber abgespeichert wird in unserem Körper und somit abrufbar ist.


Hormone zur Regelung des inneren körperlichen Gleichgewichtes
In der Nähe der Gefühlszentren wird die Produktion der Hormone gesteuert. Es sind chemische Stoffe, welche für die Bereitstellung der richtigen Energien sorgen.

Grundsätzlich lassen sich dabei 2 Hauptsysteme beobachten: Ein anregendes, welche die Bewältigungs-Energie hervorbringt über Stresshormone; und ein beruhigendes, welches über Entspannungshormone zur Erholung verhilft.


Interaktion, Abhängigkeit und Autonomie
Irdisches Leben entsteht durch Interaktion zweier Teile. Dies bedeutet Beziehung und Abhängigkeit. Grösstmögliche Autonomie entsteht durch Akzeptanz dieser Zusammenhänge.


Über ein Du zu einem Ich
Wenn wir zur Welt kommen, sind wir offen und aufnahmefähig. Das Gehirn kann keine Vorstellungen produzieren, wie wir sein müssen oder was sein müsste. Wir sind Vertrauens- und Beziehungs-Spezialisten, die intuitiv genau spüren, was wir brauchen, was andere von uns wollen oder was sie uns geben können oder nicht.

Im Laufe des Lebens lernen wir durch durch Spiegelung und Vorbild, «wie das Leben geht». Am idealsten sind klare Spiegel: Klare Gefühle, Gedanken, Handlungen, Vorbilder. Häufig treffen wir auf getrübte Spiegel – Menschen, die keine Gelegenheit zur Klärung hatten. Und dann erleben wir uns auch schmutzig, verwirrt, vernebelt und übernehmen unbewusst Beziehungs-Defizite unserer Bezugspersonen.

Allmählich bildet sich ein Selbstbild, das eine Mischung ist von Eigenem und für Eigenes Gehaltenem, aber eigentlich von Fremdem. Weitere Informationen finden sich unter dem PDF: Weiss, Ch: Reifung durch Beziehung und Begegnung sowie Die Beziehung.


Emotionale Überflutung, mentale Verwirrung und Lernen
In Beziehungen besteht immer das Risiko, nicht zu bekommen oder geben zu können, was man wirklich braucht. Die daraus entstehenden emotionalen Verletzungen hinterlassen Spuren im Körper und Gefühlsleben:

Das limbische Hirn wird überschwemmt mit Nervenimpulsen, was sich in einem Gefühl des Ertrinkens oder der Überflutung äussert.

Eine besonders starke Form davon geschieht bei Traumatas und in traumatisierenden Verhältnissen. Wenn sich das Verletzungsgeschehen im Gehirn eingenistet hat, ist es leicht abrufbar, manchmal nur durch einen Geruch, einen Blick, eine Geste oder andere sogenannten Triggers. Das liegt an den vielen Verschaltungen, die sich gebildet haben. So lässt sich erklären, dass ein eigentlich kleiner Reiz eine Art Flächenbrand auslösen kann im Gehirn, der sich emotional zeigt in Form von Stress, Angst, Panik, Erstarrung, Wut. Weil gleichzeitig die Verbindungen zum Frontal-Hirn, wo unsere Verhaltensstrategien ihren Sitz haben, unterbrochen werden, können wir nicht mehr der Situation angepasst reagieren.

Mentale Folgen sind Verwirrung und Desorientierung. Ebenso wird die Verbindung zum Hippocampus blockiert, jenem Teil des Gehirns, der Lernen, das heisst Abspeichern von Erfahrungen, möglich macht. Das bedeutet, dass Lernen verunmöglicht wird.


Emotionale Entfremdung, Stress, Ärger, Trauer, Resignation
Prägen Missverständnisse, mangelndes Mitgefühl, Verletzungen unser Beziehungs-Erleben, beginnen wir uns zurückzuziehen, zu entfernen, schliesslich zu entfremden und am Ende von uns selbst zu entfremden; da alles mit allem verbunden ist, entfremden wir uns auch von uns selbst, wenn wir uns von andern entfremden.

Dieses Entfremden kennt verschiedene Stufen: Zorn/Ärger, Trauer, Resignation. Die Verletzungen geschehen durch nicht oder falsch erfüllte Beziehungsbedürfnisse.

Grundsätzlich stellt sich dabei Stress ein – möglicherweise auch in Form von Ärger – Stresshormone werden ausgeschüttet. Löst sich das Problem, entspannen wir uns durch die Freisetzung von Entspannungshormone.

Misslingt dies, werden wir traurig. Wird dies bemerkt und das Bedürfnis befriedigt, setzt Entspannung und Wohlbefinden ein.

Geschieht dies nicht, erreichen wir die dritte Stufe von emotionaler Entfremdung: Resignation. Wir versuchen uns mit allem Möglichen zu trösten, vergessen den Ursprung unseres Unglücklichseins. Der Körper vergisst nicht: die Stresshormone werden nicht abgebaut. Wenn der Zustand lange andauert, werden Endorphine, körpereigene Schmerzmittel, produziert, die helfen, den Schmerz nicht mehr zu spüren.

Die Folgen: Da Stress ein Ausnahmezustand ist, der erlaubt, grosse Mengen an Energie bereitzustellen aus den körpereigenen Energiespeichern, um eine Gefahr zu bewältigen, laugen wir uns aus. Um daraus wieder herauszufinden, müssen wir den Weg zurückgehen. Er führt zurück zur Trauer und von da zur Kraft, an der Situation etwas zu verändern.


Angst in Beziehungen, Kontaktvermeidung
Angst spielt im Beziehungsgeschehen eine besondere Rolle. Sie bedeutet ein Vermeidungs-Verhalten, ein Rückzug vom Gefühl von Stress, Mangel, Ärger, Trauer oder Resignation.

Dahinter steht die Erfahrung oder Überzeugung, die primären Gefühle nicht auszuhalten oder nicht mit ihnen umgehen zu können sowie die Entmutigung, dem allem nichts entgegensetzen zu können. Angst bedeutet zusammenziehen, und dies bedeutet Rückzug aus der Beziehung.

Die Angst kann sich in verschiedenen Formen zeigen:

Angst vor Gefühlen: Wer nicht fühlt, muss keine Schmerzen, Verletzungen und Enttäuschungen ertragen.

Angst vor Sinngebung: Dem inneren Geschehen eine Bedeutung zu verweigern, entbindet davor, sich auseinanderzusetzen mit Schmerzen, Verletzungen und Enttäuschungen.

Angst vor Ausdruck: Das Innere Geschehen zurückzuhalten dient dem Schutz vor allfälliger Reaktion und Rückweisung, weiterer Schmerzen und Verletzungen.

Angst vor Verantwortung und Überwältigung: Durch Projektion kann aller Schmerz nach aussen befördert werden, ohne dass er sich jedoch auflöst.

Angst vor Nicht-Beachtung: Auf Umwegen wird nach Aufmerksamkeit gesucht. Häufig über Körperspannungen- und -schmerzen.

Angst, zu kurz zu kommen: Durch ein starkes Kreisen um die eigene Wichtigkeit kann ein Mangel an nährender Aufmerksamkeit kompensiert werden.

Angst, vereinnahmt oder verschluckt zu werden: Rückzug wegen drohender Existenz-Gefährdung durch fehlendes Recht auf eigenes Leben.


Oxitocyn, Rhythmus, Verbindung und Bindung
Durch einfache, zum Teil ritualisierte Entkopplungsstrategien, wie sie beispielsweise die Biosynthese®-Psychotherapie oder ROMPC®-Coaching/Therapie benutzen, können emotionale Überflutungen durch Angst, Ärger und Stress gestoppt werden, so dass es zu einer Beruhigung kommt.

Eine mitfühlende, geduldige Haltung fördert neues Wachstum von Nervenbahnen in Richtung Hippocampus, dem Ort des Lernens. Parallel dazu wird durch diese meist rhythmischen Entkopplungstechniken eine hormonelle Umschaltung vorgenommen: Es werden mehr Bindungshormone, Oxitocyne, produziert.

Da Rhythmus, Pulsation der Ursprung des menschlichen Lebens ist (Ver-Bindung zweier Pole), kommt es zur erneuten Bildung von Bindung, die durch Überschwemmung unterbrochen wurde. Daher führt Rhythmus (wie Bewegungen, Wiederholung von Worten wie Affirmationen, Melodien, Alltagsrituale) in einen hormonellen Zustand, der als Verbundenheit erlebt wird, und damit wegführt von der Einsamkeit und Verkapselung nach dem Rückzug bei Verletzungen.


Alles ist eins und eines ist alles, Begegnung und Stille
Lange bevor die Hirnforschung die Zusammenhänge zwischen Interaktion, Abhängigkeit, Autonomie und die Rolle der Emotionen als energetische Brücke zwischen den Menschen aufzeigen konnte, wurden diese Zusammenhänge beschrieben mit den Worten «Alles ist eins und eines ist alles».

Aufgrund unserer kognitiven Fähigkeiten lernen wir klar unterscheiden zwischen uns und andern. Wenn wir unseren Platz gefunden haben und uns sicher fühlen, beginnen sich die Emotionen zu beruhigen. Sie haben ihre Aufgabe erfüllt, wir können uns besser auf uns selbst konzentrieren, auch in Gegenwart von anderen.

Wenn wir tief verankert mit uns selbst verbunden sind in unserem Innern, erleben wir dank kognitiven und limbischen Fähigkeiten gleichzeitig die Verbundenheit mit allen; dann finden sich im Gehirn mehr Gamma-Wellen: Neurone kommunizieren mit einem Erkennungscode auf der so genannten Gammafrequenz (40 Hertz), auch Frequenz der Stille genannt, synchron – Hirnareale treten miteinander in Kontakt.


Gehirn, Nerven, Biochemie, Freiheit, Verantwortung
Gehirn, Nerven und biochemischer Stoffwechsel begleiten alles oben beschriebene Geschehen. Sie versuchen nach Kräften, uns in unserem Leben zu unterstützen und sind auf Kooperation mit uns angewiesen.

Unser Körper lehrt uns viel: Er braucht von allem etwas, von keinem jedoch zuviel.

Analoges gilt für das soziale Geschehen: Es braucht Zeiten des Austausches wie der Einkehr.


Weiterführende wissenschaftliche Informationen
Gehirn&Geist, Dezemberheft 2006, Medizinische Auswirkung von Meditation
Weiss, Ch: Mit Worten heilen